Testbericht zum Wirksamkeitsnachweis
des Lese- und Rechtschreibtrainings mit dem Lettris - Trainingsprogramm
Vorwort
Das Trainingsprogramm
Lettris wurde speziell für Kinder mit Lese- Rechtschreibschwächen
entwickelt. Die Beobachtungen des Trainings mit diesem Programm in der
Einzeltherapie ließen eine hohe Wirksamkeit vermuten. Daraus entstand
das Bedürfnis, die subjektiven Beobachtungen durch Tests zu bestätigen.
Dazu wurden zwei
Gruppen von je 5 Schülern der Klassen 2 bis 5 trainiert. Insgesamt
betrug die reine Trainingszeit nur 3 Stunden an vier aufeinanderfolgenden
Tagen (14.4. bis 17. 4. 1998).
Zu Beginn und am
Ende des Trainings wurde ein Test durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigen,
daß es ein sehr wirksames Trainingsprogramm bei Lese- und Rechtschreibschwäche
ist.
Die Eltern der Schüler
hatten sich nach einem Aufruf in der Zeitung gemeldet.
Aufbau des Tests
Grundlage des Tests
ist das Leistungsprüfsystem L-P-S nach Prof. Horn. Es wurden die für
den Nachweis der Lese- und Rechtschreibschwäche relevanten Untertests
verwendet.
| Nr.: |
|
| 1+2 |
Erfassung des verbalen
Faktors, Rechtschreibkenntisse, kristallisierte Intelligenz |
| 7 |
Erfassung der Raumlage
durch Drehen und Spiegeln (hier wurden nur die Buchstaben des Tests verwendet,
da im Lettris auch nur Buchstaben gedreht und gespiegelt werden.) |
| 12 |
Erraten verstümmelter
Wörter, Rechtschreibkenntnisse |
| 14 |
visuelles Wahrnehmungstempo |
Für den Eingangstest
zu Beginn des Trainings wurde die Form A und für den abschließenden
Test die Form B verwendet.
Aufbau des Trainingsprogrammes
Das Trainingsprogramm
wurde mit dem Leveleditor zusammengestellt und enthielt
die Grundwortschätze der Klassen 1 bis 4 in den Levels 1, 4, 7 und
10. Die Wörter des Untertests 12 wurden in den Levels 2, 5, 8 und
11 und ein Teil der Wörter (37) des Untertests 1+2 wurde in den Levels
3, 6, und 9 trainiert. Da die Wörter zufällig erscheinen, konnten
nicht alle Wörter in den 3 Stunden trainiert werden.
Die unteren Levels
dienten in erster Linie dem Erkennen der Wörter, während in den
höheren Levels zusätzlich noch ein höheres Wahrnehmungstempo
trainiert wurde.
Die Vielfalt und
der Schwierigkeitsgrad der Wörter war gegenüber dem normalen
Training des Grundwortschatzes stark erhöht. Das zeigte sich unter
anderem darin, daß es anfangs allen Schülern Schwierigkeiten
bereitete, über die ersten 3 Levels hinauszukommen.
Eine Reihe der trainierten
Wörter des Untertests 1+2 war den Schülern unbekannt (z. B. Rokoko
oder Brokat). Diese wurden während des Trainings vom Trainingsleiter
auf Anfrage hin erläutert.
Ergebnisse des Trainings
Die Rohwerte der Auswertung
wurden entsprechend der Normtabellen in die C-Werte umgewandelt, da diese
direkt auf den Prozentrang der Altersstufe abgebildet werden können.
Von den insgesamt
10 Schülern nahmen 9 am abschließenden Test teil. Zwei Schüler,
ein Geschwisterpaar, bekundeten deutlich ihre ablehnende Haltung gegenüber
dem Abschlußtest, obwohl sie sehr ehrgeizig trainiert und hohe Punktzahlen
erreicht hatten. Ein Schüler (8 Jahre und 2 Monate) war überfordert
bei der Durchführung des Testes.
| Test 1+2 |
Erfassung des verbalen
Faktors, Rechtschreibkenntisse, kristallisierte Intelligenz |
In der Tabelle ist
der Prozentrang P angegeben. Ein Prozentrang von 30,4 bedeutet, dass eine
Leistung erreicht wurde, die besser oder ebensogut ist wie 30,4 Prozent
einer ausgewogenen Stichprobe der Altersgruppe der Gesamtbevölkerung.
Der C - Wert ist
direkt mit dem IQ - Wert über die Formel IQ = 7,5 C + 62,5 verknüpft.
| Test 7 |
Erfassung der Raumlage
durch Drehen und Spiegeln |
| Test 12 |
Erraten verstümmelter
Wörter, Rechtschreibkenntnisse |
| Test 14 |
visuelles Wahrnehmungstempo |
Gemittelte Werte
der durchgeführten vier Tests für jeden Schüler

Veränderungen bezogen
auf die vier Tests

Zusammenfassung und
Interpretation
Obwohl in diesem ersten
Test mit dem Trainingsprogramm Lettris nur 9 Kinder mit Rechtschreibproblemen
getestet wurden, zeigen die Ergebnisse nach 3 Trainingsstunden bereits
signifikante Verbesserungen aller getesteten Leistungen. Bemerkenswert
ist auch die Tatsache, dass selbst solche Leistungen wie die Erfassung
der Raumlage der Buchstaben und das visuelle Wahrnehmungstempo in einer
solch kurzen Zeit trainierbar sind.
Die Untertests 1+2
und 12 prüfen vor allem die Wiedererkennung der trainierten Wörter.
Es waren nicht alle Wörter in der kurzen Trainingszeit einbezogen
und doch sind deutliche Leistungssteigerungen erkennbar.
Die Testergebnisse
bestätigen die zuvor gemachten subjektiven Erfahrungen eines effizienten
Trainingsprogramms.
Dr. M. Nitsche